Expertenmeinungen: Das Wichtigste zum Immobilienmarkt im zweiten Quartal 2026

Uneinheitlich entwickelte Verkaufspreise, Preise für Neubauwohnungen, die sich nach mehreren Quartalen mit rückläufiger Entwicklung tendenziell stabilisieren, und ein Mietmarkt, der weiterhin im Aufwärtstrend ist: Das sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem zweiten Quartal 2026.
Um diese Entwicklungen zu entschlüsseln, haben wir die Ansichten mehrerer Branchenexperten eingeholt: Pierre Clément (Nexvia), Julien Licheron (LISER/Observatoire de l'Habitat) und Jacques Brauch (SOLUDEC). Preisentwicklung, Markterholung, Finanzierungsbedingungen, Käufervertrauen und Aussichten für den Neubau … all dies sind Faktoren, die dazu beitragen, die aktuellen Entwicklungen besser zu verstehen und die nächsten Marktbewegungen vorherzusehen.
Pierre Clément - Managing Director bei Nexvia

Die von Nexvia analysierten Daten zu tatsächlichen Transaktionen bestätigen die von atHome beobachteten Trends bei den Angebotspreisen: Der luxemburgische Wohnimmobilienmarkt ist in eine Phase der Normalisierung eingetreten, wobei seit Jahresbeginn ein leichter Abwärtsdruck zu verzeichnen ist, der im Segment der Wohnungen in Luxemburg-Stadt übrigens stärker ausgeprägt ist.
Der Anstieg der Zinssätze, der durch geopolitische Spannungen und Inflationsrisiken angeheizt wird, schränkt die Kreditaufnahmefähigkeit der privaten Haushalte ein und wirkt sich direkt auf die Preise aus. Hinzu kommt eine abwartende Haltung, die mit dem nach wie vor moderaten Wirtschaftswachstum, internationalen Unsicherheiten und wachsenden Fragen hinsichtlich der Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die Beschäftigungslage im Land zusammenhängt. Dem Markt fehlen jedoch nicht die Triebkräfte.
Das am 16. Juli in Kraft getretene Steuerpaket stellt eine wichtige Stütze für die Nachfrage dar, insbesondere für Erstkäufer, dank der Anhebung der Steuergutschrift um 5.000 € pro Person (auf 45.000 €) und der Aufstockung des Zinszuschusses. Diese Maßnahmen dürften dazu beitragen, eine solide Käuferbasis aufrechtzuerhalten.
Die Wiedereinführung der beschleunigten Abschreibung auf 6 % dürfte den Verkauf von Immobilien im Bau bei Investoren wieder ankurbeln, während Eigennutzer aufgrund der verfügbaren Steuergutschrift wahrscheinlich weiterhin Bestandsimmobilien den Vorzug geben werden.
Die steuerlichen Maßnahmen stützen die Nachfrage, doch der eigentliche Motor für einen nachhaltigen Aufschwung wird die Rückkehr zu einem berechenbareren wirtschaftlichen und finanziellen Umfeld sein.
Jacques BRAUCH – Generaldirektor und geschäftsführender Direktor bei SOLUDEC S.A.

In den letzten Jahren wurde viel über die Wohnungskrise gesprochen. Tatsächlich hat der Markt für Neubauwohnungen eine Vertrauenskrise durchgemacht.
Zwar hat der Anstieg der Zinssätze die Kreditaufnahmefähigkeit der privaten Haushalte beeinträchtigt, doch lässt sich die Abschwächung des Marktes nicht allein damit erklären.
Vor Ort betrafen die größten Bedenken der Käufer vor allem die Sicherheit ihrer Investition. Die weithin bekannten Schwierigkeiten einiger Akteure haben zu einem Klima der Unsicherheit beigetragen. Viele Kunden fragten sich, ob ihre Wohnung fertiggestellt werden würde und welche Garantien ihnen tatsächlich Schutz boten.
Die jüngsten Maßnahmen der Regierung werden dazu beitragen, den bereits einsetzenden Aufschwung zu beschleunigen. Der eigentliche Aufschwung hängt jedoch in erster Linie von der Rückkehr des Vertrauens ab.
Eine Immobilie vom Plan weg zu kaufen bedeutet in erster Linie, sich für einen soliden Partner zu entscheiden. Über den Preis hinaus suchen Käufer heute nach Garantien, Transparenz und Sicherheit. Unserer Ansicht nach wird dieses wiedergewonnene Vertrauen in den kommenden Monaten der eigentliche Motor des Marktes sein.
Julien Licheron - Wirtschaftswissenschaftler am Liser / Observatorium für Wohnungsbau

Der luxemburgische Wohnimmobilienmarkt scheint die akute Phase der Krise hinter sich gelassen zu haben. Das Transaktionsvolumen hat sich erholt, die Preise haben sich stabilisiert, und die Finanzierungsbedingungen stellen kein entscheidendes Hindernis mehr für den Erwerb von Immobilien dar.
Nach mehreren Jahren starker Schwankungen kehrt der Markt allmählich zu einem übersichtlicheren Verlauf zurück, auch wenn das internationale geopolitische Umfeld die Gefahr weiterer Zinserhöhungen heraufbeschwört.
Diese Normalisierung darf jedoch nicht mit einem Ende der “Wohnungskrise” verwechselt werden.
Die Spannungen verschwinden nicht, sie verlagern sich lediglich. Der Aufschwung wird derzeit fast ausschließlich vom Markt für Bestandswohnungen getragen, während der Neubau dauerhaft hinterherhinkt. Diese Diskrepanz stellt den Hauptrisikofaktor für die kommenden Jahre dar: Weniger heute gebaute Wohnungen bedeuten mehr Spannungen in der Zukunft.
Der Mietmarkt spiegelt diese Entwicklung bereits wider. Während sich die Verkaufspreise stabilisieren, steigen die Mietpreise für Neuverträge weiterhin deutlich schneller als die Inflationsrate. Diese Diskrepanz zeigt, dass die Normalisierung des Immobilienmarktes nicht gleichbedeutend mit der Lösung der Wohnungskrise ist. Diese nimmt lediglich eine andere Form an: Sie ist auf dem Verkaufsmarkt weniger sichtbar, aber beim Zugang zu Wohnraum nach wie vor genauso präsent.
Mit anderen Worten: Auch wenn sich der Immobilienmarkt offenbar allmählich von der konjunkturellen Krise erholt, aus der er hervorgegangen ist, bleiben die strukturellen Ungleichgewichte aufgrund des unzureichenden Angebots weitgehend bestehen.
Unsere umfassende Analyse des luxemburgischen Immobilienmarktes im zweiten Quartal 2026 finden Sie hier 👇🏻
Geschrieben von
atHome.lu
Geschrieben am
24. Juli 2026